Du bist nicht angemeldet.

1

Samstag, 21. November 2009, 23:27

Erste Weihnachten ohne Eltern.

Nun kommt sie, wie jedes Jahr, die besinnliche Zeit.

Im Februar 2009 sind meine Eltern unschuldig bei einem Verkehrsunfall in Südafrika ums Leben gekommen.
Mein Vater, der den Wagen gelenkt hat, war auf der Stelle tot, meine Mutter starb zwei Tage später im Ambulanzjet auf dem Weg von Johannesburg nach Salzburg.
Bis heute ist unklar, ob sie ihre Kopfverletzungen überlebt hätte, wäre sie erst ein paar Tage später nach Österreich überstellt worden.
Ich jedenfalls habe mich nach Absprache mit einem Arzt vor Ort und einigen Ärzten hier in Salzburg, nachdem diese den Transport im Ambulanzjet nach Abwägung ihrer Verletzungen als geringes Risiko einstuften, dazu entschlossen, meine Mutter nach Hause zu holen, da mir die medizinische Versorgung in Salzburg viel besser schien.
Leider war meine Entscheidung und die der Ärzte vermutlich falsch, und sie könnte heute noch leben, obwohl die Ärzte von einer Gehirnblutung sprechen, die nicht mit den Strapazen des Fluges zusammenhinge.

Ich habe da noch immer meine Zweifel.

Jetzt zum eigentlichen Thema:

Ich habe große Angst vor Weihnachten, denn diese Zeit war für unsere Familie immer etwas besonderes, nachdem meine Schwester und ich von zu Hause weg waren.
Wir waren diese Tage immer zu Hause bei unseren Eltern, es war die Zeit im Jahr auf die ich mich immer besonders gefreut habe, nicht nur wegen Weihnachten, sondern unserer Familie ein paar Tage besonders nahe zu sein.
Nun sind meine Eltern nicht mehr, mir fehlen sie einfach zu sehr, diese unbeschreibliche Leere bringt mich fast um.
Hätte ich meine Frau und unsere süße Tochter nicht, ich glaube, dass ich verzweifeln würde.

Ich hoffe, es wird nicht noch schlimmer, denn es schmerzt jetzt schon fast unerträglich.

Da ich darüber nicht mit vielen Menschen spreche, teile ich mich nun euch Quatschern mit, ich lese euch nun schon ein paar Jährchen.

LG Blizzy (Florian)
Manche Leute glauben, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Dabei war es in Wirklichkeit nur Buchstabensuppe.

2

Sonntag, 22. November 2009, 01:59

RE: Erste Weihnachten ohne Eltern.

Zitat

Original von Blizzy
...
Ich habe da noch immer meine Zweifel.
...

Ich hoffe, es wird nicht noch schlimmer, denn es schmerzt jetzt schon fast unerträglich.

Da ich darüber nicht mit vielen Menschen spreche, teile ich mich nun euch Quatschern mit, ich lese euch nun schon ein paar Jährchen.

LG Blizzy (Florian)
Schon die Tatsache, dass du dich mit so einem bedeutenden Thema an uns wendest, ehrt uns. Unser Mitgefühl hast du aauf jeden Fall. (ich spreche hier mit Absicht im Plural)

Zu deinen einganngs erwähnten Zweifeln, ob du die richtige Entscheidung getroffen hast, will ich versuchen, dich in deinem richtigen Handeln zu bestätigen. Kein Mensch konnte abschätzen, was besser gewesen wäre. Stell dir vielleicht vor, welche Entscheidung deine Mutter getroffen hätte, hätte sie das gekonnt. Ich meine, die meisten würden in so einem Fall sagen: "Bitte holt mich heim!"

Wenn Weihnachten für euch ein wichtiger (der wichtigste) Feiertag für diie Familie ist, dann solltet ihr den Tag auf jeden Fall so weiter feiern. Es wäre dann sicher auch im Sinne der Eltern, so einen Brauch fort zu führen, auch wenn es dieses mal kein lustiges Fest geben wird. Wir (die Gyuri-Familie) hatten vor drei Jahren auch ein trauriges Weihnachten. So kann ich aus eigener Erfahrung sagen: es kommen auch wieder bessere Zeiten.
Grüße vom Gyuri

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“
(Karl Valentin)

3

Sonntag, 22. November 2009, 13:14

RE: Erste Weihnachten ohne Eltern.

Vor vier Jahren starb mein Opa. Vor ziemlich genau vier Jahren. Kurz vor Weihnachten. Ich hatte nicht mehr die Zeit mich von ihm im Krankenhaus zu verabschieden. Obwohl, vielleicht ist es nur eine Ausrede. Ich glaube ich wollte ihn nicht an diesen Geräten mit all den Schläuchen sehen. Er kam Montags nach einem Herzinfarkt und Schlaganfall in die Klinik. Mittwochs abends kam dann der Anruf.

Weihnachten saßen wir dann wie gewohnt mit der Familie zusammen. Und haben auch noch alle an ihn gedacht, über ihn geredet, seine Spässchen wieder aufleben lassen und sogar die Kölschen Witze die er so gerne erzählte und die uns sowas von auf die Nerven gingen wieder "ausgegraben".

Du darfst dir auf keinen Fall die Schuld an irgendwas geben. Du hast richtig gehandelt als du dem Heimtransport deiner Mutter zugestimmt hast. Wäre das abzusehen gewesen, hätten die Ärzte nicht zugestimmt. Es gibt halt Dinge auf die wir keinen Einfluss haben. Ich bin nicht traurig darüber, dass es so ist. Wir müssen nur einen Weg finden, damit umzugehen.

Lasst Weihnachten bei euch als Familienfest nicht verkommen. Macht weiter wie es war. Trefft euch mit der ganzen Familie und was am wichtigsten ist: Redet miteinander! Ihr seid nicht alleine!

Auch wenn ein trauriges Ereignis zu beklagen ist, feiert ein "frohes Fest".

Eure Eltern leben weiter, in euren Herzen!
We could just go home right now, or maybe we could stick around, for just one more drink....

4

Sonntag, 22. November 2009, 18:48

Lieber Florian

Ich kann Gyuri nur zustimmen. Dass Du Dich uns (unbekannten) hier so öffnest und so offen über Deine Gefühle sprichst, ehrt uns.

Was Dir in diesem Jahr widerfahren ist, ist ein ganz schrecklicher Schicksalsschlag und dauert mit Sicherheit eine ganze Weile, bis Du es einigermaßen verkraftet hast. Ich bin froh, dass Du Deine Frau und Deine Tochter um Dich hast, die für Dich da sind und Dir vielleicht auch hin und wieder schöne Momente in dieser tristen Zeit bescheren.

Egal, wie solche Dinge "ausgehen" ... man ist immer von Selbstvorwürfen geplagt. Hätte ich ... würde ich ... Das "was wäre, wenn" nagt immer an einem. Ich glaube, da kann man tun was man will. Man findet immer etwas, was man vielleicht hätte anders machen können.

Aber Du darfst Dich nicht fertig machen mit diesen Gedanken. Du hast diese Entscheidung ja nicht alleine und von einer Sekunde auf die nächste getroffen, sondern Dich ja mit div. Ärzten in Verbindung gesetzt.

Was das Weihnachten betrifft, sehe ich es genau so wie alle anderen: Feiere mit Deiner Schwester und Deiner und ihrer Familie weiter so das Weihnachten wie Ihr es bisher gefeiert habt. Natürlich fehlen Eure Eltern, aber versucht, diese Tradition fort zu führen. Verliert Euch nicht aus den Augen, sprecht an diesem Tag viel über Eure Eltern. Es wird sicherlich nicht lustig und entspannend werden, aber es tut Euch auch sicher gut, in Erinnerungen zu schwelgen. Und ich bin mir sicher, Eure Eltern hätten sich gewünscht, dass Ihr diese Tradition weiter lebt und dass Ihr das Fest feiert!

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft für diese schweren Tage. Und vergesst nicht: Eure Eltern sind zwar nicht mehr unter Euch, aber sie sind immer bei Euch. In Euren Herzen und in Euren Gedanken.

Fühle Dich gedrückt von Manuela

Dogmatiker

(N.N.) D.G.IMP.AUSTR.REX BOH.GAL.ILL.ETC.ET AP.REX HUNG.

  • »Dogmatiker« ist männlich
  • »Dogmatiker« ist ein verifizierter Benutzer

Beiträge: 7 649

Wohnort: Funchal, Madeira

  • Private Nachricht senden

5

Sonntag, 22. November 2009, 21:47

Erstmal möchte ich dir mein herzliches Beileid aussprechen - das ist eine schreckliche Geschichte.

Ich kann meinen Vorpostern nur zustimmen, dass deine damalige Entscheidung absolut die richtige war. Auch ich würde in so einer Situation sobald es möglich ist versuchen meine Angehörigen heimzuholen.

Was dein bevorstehendes Weihnachtsfest angeht, so bin ich ein Mensch der anscheinend mit Trauer anders umgeht als meine Vorposter. Ich würde vermutlich der Situation aus dem Weg gehen und mich ablenken.

Nochmal herzliches Beileid und viel Kraft in den nächsten Wochen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dogmatiker« (22. November 2009, 21:47)


Gelöscht

unregistriert

6

Dienstag, 24. November 2009, 20:55

lieber florian,

ich finde es auch ganz mutig und große klasse, dass du deine gefühle mit uns teilst, insbesondere vor dem hintergrund eines solchen schicksaalsschlages, der dich dieses jahr getroffen hat. ich denke, dass es dich in deiner situation wahrscheinlich viel überwindung gekostet hat und nicht einfach gefallen ist, deine gefühle in worte zu fassen. deine erfahrung hat mich emotional sehr berührt.

ich wünsche dir und deiner familie viel kraft und alles erdenklich liebe und gute in dieser schwierigen zeit.

es tut mir schrecklich leid - was dir passiert ist, ist sehr tragisch. bitte quäle dich nicht mit fragen, was wäre wenn und ähnlichem. du trägst keine schuld am tod deiner mutter, schließlich hast du so entschieden, wie es dir und den behandelnden ärzten in der situation am plausibelsten erschien. ich denke nicht, dass deine eltern es wollen würden, dass du dich so verurteilst und es bringt ja nur weiteres leid. wie sherry schon bemerkt hat, ist man in einer solchen situation immer in selbstzweifeln und selbstvorwürfen gefangen.

ich denke, dass du, deine familie und deine schwester jetzt näher zusammen rücken werdet. vielleicht haltet ihr die tradition eurer eltern aufrecht, insbesondere an weihnachten, dem fest der liebe - in euren herzen und durch euch beide leben eure eltern weiter. behaltet sie in guter erinnerung.

ich drücke dich und wünsche dir viel kraft für die bevorstehende zeit.

alles liebe
die ...

Social Bookmarks

Counter:

Klicks heute: 13 505 | Klicks gestern: 17 027 | Klicks Tagesrekord: 110 484 | Klicks gesamt: 27 675 339