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1

Donnerstag, 20. November 2008, 09:54

Psychisch krank (Burn-Out)

Hallo zusammen

In letzter Zeit fällt mir auf, dass sich relativ viele Leute von heute auf morgen psychisch krank schreiben lassen. Sowohl in meinem Kollegen- als auch in meinem Bekanntenkreis.

Ich persönlich kann das nicht ganz nachvollziehen und reagiere auf diese Krankschreibungen immer ziemlich allergisch.

Dass es Burn-Out gibt und dass man das schneller bekommen kann, als einem lieb ist, ist mir schon klar. Doch in meinen Augen nutzen diese "Krankheit" viele, um sich eine schöne Zeit daheim machen zu können und sich vor der Arbeit drücken zu können.

Mich würde mal eine persönliche Erfahrungen interessieren von jemandem, der Burn-Out schon einmal hatte. Wer kann mir erklären, was man in dieser Situation fühlt und denkt und welches Verhalten der Krankheit entsprechend ist?

Denn ein Bekannter von uns z. B. war schon mal vor einem Jahr für sechs Wochen psychisch krankgeschrieben. Auslöser war die Arbeit, die aber eigentlich gar nicht stressig war. Er war nur genervt, weil er sich nicht so einbringen konnte wie gedacht. Doch deshalb gleich krank werden? Zwischenzeitlich ging er wieder zur Arbeit, doch seit ein paar Wochen ist er schon wieder psychisch krank geschrieben daheim und will das nach seinen Angaben auch nicht mehr ändern. ABER: Daheim geht es ihm extrem gut. Er springt förmlich in der Gegend herum, ist den ganzen Tag in der Weltgeschichte unterwegs, um einzukaufen, einen bevorstehenden Umzug und v. a. Umbau einer Wohnung zu organisieren und lacht die ganze Zeit. Kann es das geben? Ich meine: Wenn man Burn-Out hat, dann ist man doch bedrückt, dann ist man doch nicht nur in der Arbeit schlecht drauf, sondern auch daheim? Dann zieht sich das doch komplett durchs gesamte Leben, oder irre ich mich da?

Wie gesagt: Ich reagiere darauf immer etwas gereizt, weil ich es nicht nachvollziehen kann und in gewissen Fällen auch nicht akzeptieren kann. Was ist das für eine Welt, wenn man bei jedem Muh und Mäh sich gleich krankschreiben lässt? Hat denn keiner mehr so viel Selbstbewusstsein, über gewissen Dingen zu stehen? Bei mir läuft auch nicht immer alles rosig in der Arbeit und vor einiger Zeit hatte ich auch mal eine Phase, wo ich ziemlich ausgelaugt war. Konnte mich auf nichts mehr konzentrieren, war völlig fertig und erschöpft. Dennoch bin ich nicht zu Hause geblieben, sondern weiter in die Arbeit. Und irgendwann hat man sich auch wieder aufgerappelt.

Wie gesagt: Eine persönliche Erfahrung würde mich zu diesem Thema sehr interessieren, weil ich es dann vielleicht besser nachvollziehen kann. Vielleicht sehe ich es jetzt ja auch nur mit falschen Augen.

Viele Grüße
Manuela

2

Donnerstag, 20. November 2008, 10:09

Also ich kenn mich da nicht wirklich gut aus, aber Streß in der Arbeit hat nicht immer etwas mit zuviel Arbeit zu tun. Streßauslöser können ganz andere, ganz viele Dinge sein.

3

Donnerstag, 20. November 2008, 10:10

Also ich bin zwar nicht betroffen, aber ich habe schon einige Reportagen über dieses Thema gesehen. Und du hast vollkommen Recht, Burn-Out zieht sich durch das ganze Leben. Da sind die Betroffenen nicht mal in der Lage aus dem Bett zu kommen oder etwas zu essen einzukaufen, weil sie einfach kaputt sind.

So gesehen würde ich meinen, dein Bekannter drückt sich vor der Arbeit und nützt die "psychische Krankheit" als Vorwand für Privates anstatt sich einen neuen Job zu suchen. Dieser Krankenstand ist auch ziemlich leicht vom Arzt zu bekommen...du sagst einfach: ich kann nicht mehr, ich bin total kaputt und schon bist du für 4 Wochen krank geschrieben.

Hierzulande wird das auch gerne gemacht um die Zeit zwischen Arbeitslosigkeit und bald nahender Pension zu überbrücken. (Wer stellt einen auch schon 3 Monate vor der Pension ein?) Oder wenn der Chef zuviele Überstunden verlangt oder Urlaub nicht genehmigt...dann gibt es auch einige Leute, die einfach "in Krankenstand" gehen.

Wie gesagt: psychische Krankheiten sind leicht vorzutäuschen. Bevor du da mal zum Psychiater für ein Gutachten geschickt wirst, vergehen sicherlich einige Wochen. Bei jedem anderen Wehwehchen wirst gleich vorgeladen... :rolleyes:
:sonne: Wann wirds mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war. :sonne:
Jaaa, mit Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so kalt und so sibirisch wie im letzten Jahr.
Rudi Carrell

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4

Donnerstag, 20. November 2008, 11:24

Also man darf das Burn-Out-Syndrom auf keinen Fall verunglimpfen...aber das klingt tatsächlich nach einem "Owezara".
Vielleicht aber hatte er einen Burn-out bei seinem ersten Krankenstand und möchte nicht in einen neuen Hineinschliddern...was ich verstehen würde...

5

Donnerstag, 20. November 2008, 15:55

Zitat

... aber Streß in der Arbeit hat nicht immer etwas mit zuviel Arbeit zu tun. Streßauslöser können ganz andere, ganz viele Dinge sein.


Da hast Du schon recht, Jimmy. Auslöser kann auch das Arbeitsklima sein oder so viele andere Kleinigkeiten. Aber im Grunde geht es dieser Person gut. Der Chef lässt werkeln, die Kollegen sind selber genug beschäftigt ...

Zitat

Wie gesagt: psychische Krankheiten sind leicht vorzutäuschen. Bevor du da mal zum Psychiater für ein Gutachten geschickt wirst, vergehen sicherlich einige Wochen. Bei jedem anderen Wehwehchen wirst gleich vorgeladen...


Eben. Und genau das stört mich. Wir haben auch einen Kollegen in der Abteilung, der regelmäßig wegen psychisch krank zu Hause bleibt. Aber das ist auch sein Freifahrtschein. Wenn er mal Fehler macht oder nervt, dann dürfen wir hier nichts sagen, denn: Nicht, dass er wieder krank wird. Er kann hier quasi tun und lassen, was er will. Und wenn er dann mal wieder für zwei Wochen krank ist. Na und? Ist doch egal ... Mir wird aber immer noch vorgehalten, dass ich vor einiger Zeit mal wegen Grippe daheim war. Dass der Kollege immer mal wieder fehlt und insgesamt in diesem Jahr schon gute 8 Wochen NUR wegen psychisch krank ... DAS interessiert ja niemanden. Spreche ich den Chef drauf an, heißt es gleich: Das ist was anderes. Aha. Gut, wenn sie es so wollen, kann auch ich mich psychisch krankschreiben lassen ... kein Problem. Geht ja heutzutage ganz einfach. Wenn ich dafür tun und lassen kann, was ich will, keine Verantwortung mehr zeigen muss und auch kommen und gehen kann, wann ich will ... Normalerweise müsste man das echt durchziehen. Aber ich bin halt leider nicht der Typ dafür.

Zitat

Also man darf das Burn-Out-Syndrom auf keinen Fall verunglimpfen...


Das will ich auch gar nicht. Es gibt diese Krankheit sicher, aber ich finde halt, dass sie von vielen ausgenutzt wird, um sich selbst einen Vorteil draus zu ziehen. Und wenn man solche Beispiele wie oben immer und immer wieder erlebt, fällt es einem schwer, einem wirklichen Burn-Out-geplagten noch zu glauben.

Zitat

Vielleicht aber hatte er einen Burn-out bei seinem ersten Krankenstand und möchte nicht in einen neuen Hineinschliddern...was ich verstehen würde...


Das kann schon sein. Aber dann dürfte ich gar nicht mehr arbeiten gehen, denn irgendwann könnte es auch bei mir soweit sein. :D

Viele Grüße
Manuela

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6

Donnerstag, 20. November 2008, 17:49

Was mich in deinen Beiträgen wundert ist der Begriff sich "psychisch krank" schreiben zu lassen...ist das was anderes als "normal krank" schreiben lassen bei euch? bei uns wäre mir sowas nicht bekannt...und wenn ich mich krank schreiben lasse gehts meinen chef einen dreck an was ich habe...ist reiner good will dass zu sagen.

An deiner Stelle würd ich das nächste mal "krank werden" wenn der Typ kommt...ist meiner Meinung nach das einzige was du tun kannst, oder du könntest dokumentieren wie er daheim rumhüpft und die fotos als kettenmail weiterleiten...aber das is ja abartig...:rolleyes:

Wieso deckt der Chef den typen?

7

Donnerstag, 20. November 2008, 18:49

Hallo Dog

Doch, es gibt schon einen Unterschied zwischen "normal" und "psychisch" krankschreiben lassen. Normal krankschreiben lassen sind ja maximal erstmal drei Tage am Stück und psychisch wird man gleich mal drei Wochen am Stück krankgeschrieben. Auch bei uns wird dem Chef nicht mitgeteilt, was man hat, aber die meisten sagen das halt immer dazu, vermutlich, um den Chefs eins reinzuwürgen.

Ne, ich werde bestimmt nicht krank machen, wenn der Kollege wieder da ist (ist er momentan :D). Ich werde ihn auch nicht hinhängen, weil das nicht meine Art ist. Ich ärgere mich halt nur ... :rolleyes:

Wieso ihn der Chef deckt? Weil er keinen Ärger möchte und angst hat, dass der Kollege dann gar nicht mehr kommt. ;)

Viele Grüße
Manuela

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8

Donnerstag, 20. November 2008, 19:01

Interessant. Bei uns ist die länge des Krankenstandes reines Ermessen des Arztes...allerdings muss er damit rechnen dass ihn der Kontrollarzt der Gebietskrankenkasse einen Strich durch die Rechnung macht.

Naja...die einfachste Möglichkeit dafür zu sorgen dass der Typ nicht mehr kommt wäre eine Kündigung :zwinker:

Gelöscht

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9

Donnerstag, 20. November 2008, 22:36

ich habe zwar noch keine persönliche erfahrungen mit dem thema "pychische krankheiten" insbesondere mit dem "burn-out-syndrom" gemacht, allerdings musste ich mal eine wissenschaftliche hausarbeit zu dem thema einweisung in ein psychiatrisches krankenhaus/trinkerheilanstalt schreiben und dazu musste ich mich psychischen störungen beschäftigen ...

mittlerweile, was lange zeit nicht der fall war, wird das burn-out-syndrom , sogar von der rechtsprechung als ernstzunehmende krankheit anerkannt.

selbstverständlich ist es nicht in ordnung, wenn dieses krankheitsbild durch hypochondrie oder vortäuschen zum drücken vor der arbeit missbraucht wird, da es menschen, die tatsächlich daran leiden, die glaubwürdigkeit erschweren kann und das glaube ich so ziemlich das letzte ist, was diese menschen in ihrer situation brauchen können.

wie dog schon geschrieben hat, könnte es durchaus sein, dass der kollege wirklich nur angst hat, dass er wieder völlig am boden zerstört ist und mühsam aus dem tiefen "loch" herauskommen muss. anderseits wäre es ja auch möglich, dass er medikamente wie beispielsweise antidepressiva erhalten hat, die seine psyche stabilisieren und dafür sorgen, dass er sehr aktiv ist (hab' zwar keine ahnung von medikamenten, aber ich glaube, die können durchaus stimmungshebend wirken ...?!)

auch ist es für depressionen als psychische störung beispielsweise typischerweise charaktersierend, dass die launen sich schlagartig und wechselseitig verändern können, d.h. von himmelhochjauchzend bis zu todebetrübt innerhalb kürzester zeit und ohne bestimmten festen intervall oder rhythmus, d.h. es ist wahrscheinlich sehr schwierig, genau festzustellen, welche art von psychischer störung wirklich vorliegt, was für betroffene das leiden erweitert, weil ohne spezifische krankheit keine adäquate therapiermöglichkeit ...

manchmal leiden solche menschen auch unter politoxikomanischen (mehrfachabhängigkeiten, wie beispielsweise drogen-, medikamenten- und/oder alkoholsüchten in kombination mit borderlinestörungen, narzisstischen störungen oder ähnliches) verhaltensweisen, süchten bzw. störungen zur wechselseitigen kompensation.

oft geht eine störung in die andere über, was eine erkennung, abgrenzung, diagnostik und eine geeignete therapie zunächst erschwert und partiell unmöglich macht.

teilweise werden sie von ärzten nicht gesehen, weil deren diagnostizierbarkeit nicht so offentsichtlich ist, wie bei körperlichen gebrechen/leiden, die man über ein blutbild oder ekkg, et cetera pp. schneller erkennen kann. um der sache gerecht zu werden bedarf es einer komplizierten und vollumfänglichen familien- und eigenanamese, was auch nicht ganz so légére sein dürfte, die aufwendige tests und untersuchungen erfordern dürften, die wiederum sehr zeitintensiv sein können. dies könnte auch schon eine begründung sein, warum psychische krankheiten so lange ausfallzeiten nach sich ziehen. eine andere erklärung könnte auch sein, dass die meisten medikamente eine lange vorlaufzeit (manche sechs wochen) haben, bis sie ganz allmählich wirkung zeigen bzw. eine einstellung auf die medikamente notwendig ist.

wenn man sich beispielsweise mal die alkoholsucht genauer anschaut, wird man feststellen, dass alkoholiker nicht gleich alkoholiker ist, sondern, dass da auch nach verschiedenen typen differensiert werden muss, was es für eine prognose nicht unbedingt vereinfacht. ein quartalstrinker ist beispielsweise völlig angepasst an die gesellschaft, geht einem normalen job nach und wirkt nach außen völlig "lebensfähig - und angepasst", aber nimmt sich ca. alle drei monate eine woche frei, betrinkt sich dann bis kurz vor dem exetus, nüchtert sich dann wieder aus, um den kreislauf wieder von vorne zu beginnen ... meistens merkt das umfeld relativ wenig ...

soweit ich weiß, ist für ein burn-out-syndrom nicht unbedingt erforderlich, dass sich jemand nach objektiven kriterien überfordert fühlen kann, weil ein durchschnittlich belastbarer mensch als objektivierter maßstab es auch so empfinden würde (eben weil er stress auf der arbeit hat oder familiäre/existenzielle probleme), sondern ein subjektives empfinden, welches durch schlüsselreize aus vergangenen erfahrungen ausgelöst werden kann, weil sie im neuronenbereich als bedrohlich kategorisiert und abgespeichert worden sind, unabhängig davon, ob die situation der realität entspricht oder nicht.

der allgemeine trend bzw. tendenziell wird immer mehr davon ausgegangen, dass körper, geist und seele eine einheit bilden und psychische störungen, die ignoriert werden langfristig zu somatischen krankheiten führen (psychosomatisch). so gibt es bücher, wie thorwald dethlefsen, rüdiger dahlke in krankheit als weg, deutung und bedeutung der krankheitsbilder oder gesundheit durch meditation, das große buch zur selbstheilung von dr. jon kabat-zinn (erfolgreiches programm zur reduzierung von streß und zur stärkung des immunsystems), die sich mit dieser thematik beschäftigen.

grundsätzlich wäre ich zurückhaltend, wenn die chefs beschwichtigend reagieren, weil häufig eine individuelle vereinbarung besteht oder die wahren/kompletten gründe offen unter verschwiegensheitverpflichtungen besprochen worden sind. welcher chef nimmt sonst ständig darauf rücksicht, wenn er nicht mehr darüber weiß? angstaspekte halte ich für nicht plausibel, weil ein eingeschalteter amtsarzt recht schnell aufschluss darüber geben könnte, was bei erwiesenem vortäuschen idr zu einer kündigung ausreichen können sollte (einzelfallabhängig) ...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »kleiner häuptling« (20. November 2008, 23:14)


10

Donnerstag, 20. November 2008, 23:04

Ich glaube allein die Arbeit wird nie die Ursache sein, es spielen viele andere Umstände dabei mit. Es werden auch viele Menschen das ausnutzen das es heute eben leichter ist zum Arzt zu gehen und zu sagen, hey mir geht’s nicht gut. Doch sollten man dies immer ernst nehmen, früher musste der einzelne nicht so viel Leistung bringen wie es heute ist, immer der Druck hinter einem, das es viele gibt dir nur darauf warten deinen Job zu machen so oder so ähnlich, das sind Aussagen die viele Chefs gerne ganz offensichtlich oder versteckt aussprechen.
Sicher es gibt eben Menschen die stecken das weg wie du das machst, aber viele sind eben leicht beseitigt und können damit nicht umgehen.
Die Welt ist hart geworden und entweder du bist es auch oder du gehst unter.
Und verstehen kannst du es wirklich nur, wenn du es einmal im Leben selbst erlebt hast, es ist schwer wenn nicht fast unmöglich zu beschreiben was in dir vorgeht, zu viele Gefühle, Gedanken, die nicht mehr so sind wie es eben im „normal“ zu stand der fall ist.
Das Negative überwiegt und auch wenn jemand fröhlich erscheint, kann es gespielt sein, es ist schwer zu sagen, der tut nur so weil er keine Lust auf die Arbeit hat.
8) 8) 8)

11

Donnerstag, 20. November 2008, 23:07

Auch in Deutschland bestimmt die Dauer der Krankscheibung der Arzt. Und es kommt durchaus oft vor, dass Menschen über eine, zwei oder auch drei Wochen krank geschrieben werden, ohne zwischendurch beim Arzt vorstellig werden zu müssen UND ohne, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Bei meinem Bandscheibenvorfall beispielsweise waren es in meinem Fall exakt 3 Wochen bis zur Wiedervorstellung. Und auch bei heftigen Erkältungen oder einer Grippe sind das sicher nicht nur 3 Tage. Das erstmal vorab.

Das Burnout-Syndrom setzt sich, wie der Name schon sagt, aus verschiedenen Komponenten zusammen. Wiki definiert es als

Zitat

eine besonders ausgeprägte berufliche und/oder familiäre Erschöpfung
.
Quelle

Es ist also keinesfalls so, dass Burnout-Patienten zwangsweise im beruflichen UND familiären Umfeld gleichermaßen betroffen sein müssen. Wichtig ist auch zu wissen, dass das Burnout-Syndrom keine Depression ist. Eine Depression oder auch eine depressive Verstimmung KANN eine der Komponenten sein, muss aber nicht.

Bei der laienhaften Beurteilung von Patienten wäre ich sehr vorsichtig. Mir persönlich zum Beispiel stinkt es auf der Arbeit enorm, dass sich Mitarbeiter wegen einer Erkältung krankschreiben lassen und ständig mal 2, 3 oder 4 Tage fehlen. Das gibt mir jedoch nicht das Recht, die Diagnose des Arztes in Frage zu stellen. Bei einem Burnout-Syndrom sieht das, aufgrund der Differenziertheit des Erscheinungsbildes, noch wesentlich anders aus. Als Kollege kann ich nicht in den Kopf des Patienten schauen. Meistens versuchen Betroffene sowieso, ihr Unwohlsein sehr lange zu verdrängen und gehen erst zum Arzt, wenn sie schon sehr tief drin stecken.

Ich empfehle das Lesen von Quellen vor dem Draufhauen. ;)

Und noch eins: Mir würde es unwahrscheinlich schwer fallen bzw. noch schwerer fallen, zur Arbeit zu gehen, wenn ich weiß, dass meine Kollegen mich nur für einen Simulanten halten.

Persönliche Erfahrung? Ja, hab ich. Ursache war eine erhebliche Stressbelastung auf der Arbeit. Und ich sollte damals eine Krankschreibung bis zum (mit langen Wartezeiten verbundenen) Neurologen-Termin bekommen. Das wären 6 Wochen gewesen. Bin allerdings nur 5 Tage zu Hause geblieben und hab stattdessen Monate später den Job geschmissen. Aus heutiger Sicht habe ich damit meine Rekonvaleszenz nur unnötig herausgezögert.

Und nein. Ich bin normalerweise nicht der Mensch, der wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt geht. In 18 Berufsjahren war ich in Summe 52 Tage krank.
Fanti-Fan

Gelöscht

unregistriert

12

Donnerstag, 20. November 2008, 23:22

Bei der laienhaften Beurteilung von Patienten wäre ich sehr vorsichtig. Mir persönlich zum Beispiel stinkt es auf der Arbeit enorm, dass sich Mitarbeiter wegen einer Erkältung krankschreiben lassen und ständig mal 2, 3 oder 4 Tage fehlen. Das gibt mir jedoch nicht das Recht, die Diagnose des Arztes in Frage zu stellen. Bei einem Burnout-Syndrom sieht das, aufgrund der Differenziertheit des Erscheinungsbildes, noch wesentlich anders aus. Als Kollege kann ich nicht in den Kopf des Patienten schauen. Meistens versuchen Betroffene sowieso, ihr Unwohlsein sehr lange zu verdrängen und gehen erst zum Arzt, wenn sie schon sehr tief drin stecken.

[/quote]

da muss ich anta wirklich recht geben, weil eine parallelwertung in der laiensphäre wirklich nicht in der lage ist, die gesamte problematik vollumfänglich zu erfassen und geeignet erscheint die diagnose des behandelnden arztes anhand von äußerlichen beobachtungen in frage zu stellen. meiner meinung nach ist es ein sehr sensibles und schwieriges thema und schließlich muss der kollege sich mit dem chef darüber auseinandersetzen und sich nicht vor seinen kollegen- und kolleginnen "rechtfertigen"bzw. erklären ...

Dogmatiker

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13

Donnerstag, 20. November 2008, 23:42

Also ich kann jetzt Anta in einem Punkt beipflichten: ein Burn-out ist keine Depression:

"...Die charakteristischen Merkmale sind körperliche und emotionale Erschöpfung und eine zynische, abweisende Grundstimmung gegenüber Kollegen, Patienten und der Arbeit im Gesamten..."

"...Depressionen kommen vor, aber auch Schlafstörungen, Kopfschmerze, magenkrämpfe..."

Das Burn-out-Syndrom wird üblicherweise in 3 Phasen unterteilt:

1. Emotionale Erschöpfung
2. Depersonalisierung
3. Leistungseinbuße/Unzufriedenheit

Als adäquate Therapie wird eigentlich nur eine Veränderung der Lebenssituation angesehen --> Lange Krankenstände, Supervision, Coaching und Psychotherapie.
(Aus der Vorlesungsreihe "Betreuung von Tumorpatienten")

Da Depressionen nur ein Teil des Burn-outs sind wage ich zu behaupten dass Antidepressive gegen den Burn-out als ganzes wirkungslos sind und einen Zustand von "Himmelhochjauchzend und zu Tote Betrübt" bezeichnet man meiner Erfahrung nach als Manie bzw. Manische Depression.
So viel dazu.

14

Freitag, 21. November 2008, 05:15

Ergänzung zu Dog:

Depersonalisierung

Eine medikamentöse Therapie wird meines Wissens nur dann verordnet, wenn innerhalb des Syndroms Störungen im Vordergrund stehen, die auch medikamentös behandelbar sind. Wesentlich wichtiger ist die Veränderung der Lebenssituation. Und das geht mit ein paar Pillen nicht schnell mal so weg, sondern braucht i.d.R. viel Zeit. Nochmal in dieser Situation, würde ich mich für eine Gesprächstherapie entscheiden.
Fanti-Fan

Gelöscht

unregistriert

15

Freitag, 21. November 2008, 06:39

Zitat

Original von Dogmatiker
Da Depressionen nur ein Teil des Burn-outs sind wage ich zu behaupten dass Antidepressive gegen den Burn-out als ganzes wirkungslos sind und einen Zustand von "Himmelhochjauchzend und zu Tote Betrübt" bezeichnet man meiner Erfahrung nach als Manie bzw. Manische Depression.
So viel dazu.


falls das von meiner seite so rüber gekommen sein sollte, dann hab ich mich da missverständlich ausgedrückt - ich meinte mit meinen verschiedenen beispielen eher psychiche krankheiten/störungen als oberbegriff und nicht ausschließlich im spezifischen das "burn-out-syndrom" und seine verschiedenen ausprägungen, symptomen, etc. ... auch da erhebe ich keinen anspruch auf vollständigkeit und richtigkeit - zumal das gerade das gebiet der psychischen störungen, wie bereits mehrfach betont, ein ganz komplexes thema sein dürfte und ich über keine medizinische ausbildung verfüge. da hast du wahrscheinlich mehr ahnung/erfahrung drüber, oder?!?!

welche medikamente wofür genau verwendet werden ist auch eher ein spezialgebiet des fachmediziners und sollte auch selbigen vorbehalten bleiben.

die quintessenz ist allerdings - so habe ich es zumindest verstanden - dass man bei der beurteilung ob jemand psychisch krank ist oder nicht doch sehr restriktiv sein sollte bzw. dazu nicht in der lage ist als laie ...

auch da kann/möchte ich anta beipflichten, dass der weg daraus sicherlich sehr zeitintensiv, lang, anstrengend sein dürfte und es fraglich erscheint, ob medikamanete alleine oder es überhaupt richten können. wahrscheinlich ist es wirklich erforderlich, dass man sein leben- und seine einstellung zum leben verändert und sich externe hilfen, wie gesprächstherapien oder ähnliches als weitere unterstützung dazu holt. aber auch da müsste ich auf einen fachmann verweisen ... ;)

@doc: was genau studierst du eigentlich? medizin oder etwas anderes medizinisches? oder hat dein studiengang mit der auseinandersetzung von psychischen störungen zu tun? ist bestimmt spannend.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »kleiner häuptling« (21. November 2008, 07:07)


16

Freitag, 21. November 2008, 08:18

Hallo und guten Morgen zusammen

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten über Nacht.

Ich möchte ja über niemanden vorurteilen und das letzte, was ich möchte, ist, als Laie mächtig klug dastehen zu wollen. Deshalb wollte ich es eben auch wirklich mal von Betroffenen wissen, wie es wirklich ist und wie ich mir das ganze vorstellen muss. Eben, um es einfach besser verstehen zu können.

Im Falle des Kollegen fällt es mir nur wahnsinnig schwer, wenn er immer und immer wieder zu Hause ist und plötzlich wieder da, sich so "fröhlich" und gelockert fühlt. Medikamente nimmt er dann nicht mehr (daheim vermutlich schon). Es spielen halt auch noch so viele andere Dinge eine Rolle. Zum Beispiel, wenn dann entsprechende Person selber aber immer vor einem steht und auf die Uhr schaut und klopft, wenn man mal fünf Minuten zu spät kam. Oder wenn man selber mal krank ist und man danach von diesem Menschen gefragt wird, ob es wirklich so schlimm war ...

Also wenn unser Bekannter Medikamente nimmt, ist er eigentlich alles andere als gut drauf und happy. Im Gegenteil. Er steht dann völlig neben sich, sieht schrecklich aus und erzählt eigentlich nur wirre Dinge. Was mich persönlich erschreckt, dass Medikamente solche Auswirkungen haben.

Viele Grüße
Manuela

Dogmatiker

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17

Freitag, 21. November 2008, 12:41

Zitat

Also wenn unser Bekannter Medikamente nimmt, ist er eigentlich alles andere als gut drauf und happy. Im Gegenteil. Er steht dann völlig neben sich, sieht schrecklich aus und erzählt eigentlich nur wirre Dinge. Was mich persönlich erschreckt, dass Medikamente solche Auswirkungen haben.


Meinst du jetzt den Kollegen oder wen anderen?
So oder so: Das Zeug ist nicht umsonst verschreibungspflichtig und Psychoaktive Medikamente "können so einiges"...bei der Wirkung ist halt fraglich ob er das richtige Zeug bekommt bzw. ob es überhaupt wirkt...

Zitat

Oder wenn man selber mal krank ist und man danach von diesem Menschen gefragt wird, ob es wirklich so schlimm war ...


Das klingt so nach diesem Schema: "Du kannst unmöglich so arm sein wie ich, schau wie schlecht es mir geht..." - kann gespielt sein oder auch nicht.

Zitat

@doc: was genau studierst du eigentlich? medizin oder etwas anderes medizinisches? oder hat dein studiengang mit der auseinandersetzung von psychischen störungen zu tun? ist bestimmt spannend.


Meines eines studiert Radiologietechnologie - auf Deutsch Röntgenasstistent und auf Deutschland-Deutsch MTA/R.
Im Zuge der Grundausbildung genoss ich eine Grundausbildung in Pharmakologie und Psychologie, auf das Burn-out Syndrom gingen wir während der Radioonkologischen Ausbildung (Strahlentherapie) ein, da wir selbst eine sehr Burn-out-gefährdete Berufsgruppe sind. (Selbst das Studium bringt einen größtenteils an den Rande eines Burn-outs...:zwinker:...Boarderlinig sind wir alle vermutlich chronisch :gg: )

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18

Freitag, 21. November 2008, 13:42

Zitat

Original von Dogmatiker

Zitat

@doc: was genau studierst du eigentlich? medizin oder etwas anderes medizinisches? oder hat dein studiengang mit der auseinandersetzung von psychischen störungen zu tun? ist bestimmt spannend.


Meines eines studiert Radiologietechnologie - auf Deutsch Röntgenasstistent und auf Deutschland-Deutsch MTA/R.
Im Zuge der Grundausbildung genoss ich eine Grundausbildung in Pharmakologie und Psychologie, auf das Burn-out Syndrom gingen wir während der Radioonkologischen Ausbildung (Strahlentherapie) ein, da wir selbst eine sehr Burn-out-gefährdete Berufsgruppe sind. (Selbst das Studium bringt einen größtenteils an den Rande eines Burn-outs...:zwinker:...Boarderlinig sind wir alle vermutlich chronisch :gg: )


:wow: klingt schwierig, umfangreich und komplex ... 8o wie bist du auf diesen studiengang gekommen? war es schon immer dein ziel? ist es ein weitverbreiteter studiengang? pharmakologie muss auch verdammt hart sein - ein bekannter von mir hat das studiert und immer ordentlich "gejammert" ... ;) oh je, physik, mathematik, dass ist alles nix für mich, da würde ich hoffnungslos scheitern, war schon in der schule so gar net meins ... :kreuz:

woran liegt es deiner meinung nach, dass deine berufsgruppe potentiell eher gefährdet ist an einem burn-out-syndrom zu erkranken? am stress? an der verantwortung die auf einem lastet? an den arbeitsbedingungen, oder? sowas interessiert mich total. warum borderline?

Dogmatiker

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Freitag, 21. November 2008, 15:00

Zitat

woran liegt es deiner meinung nach, dass deine berufsgruppe potentiell eher gefährdet ist an einem burn-out-syndrom zu erkranken? am stress? an der verantwortung die auf einem lastet? an den arbeitsbedingungen, oder? sowas interessiert mich total. warum borderline?


Das ist einfach.
Der Extremfall: Wenn man in einer Radioonkologie arbeitet kommt man täglich mit ~ 100 Personen zusammen die eine schwere Krebserkrankung haben, der Statistik nach werden ca. 55 % dieser Leute die nächsten fünf Jahre nicht überleben. Man wird also zwangsläufig in der Hälfte der Fälle versagen, auch wenn man alles richtig macht und sich kaputtarbeitet. Wenn dort der falsche leidenschaftliche Typ arbeitet, der sich reinsteigert und nicht abschalten kann und sich davon mitziehen lässt, hat dieser seinen Burn-out schon so gut wie sicher.

Im allgemeinen sind vor allem die Sozialberufe sehr burn-out gefährdet, v.a. Pflegepersonen in Altenheimen etc. (habe ich selbst einmal in einem Praktikum erlebt, länger als ein Monat würd ich das nicht aushalten), oder in Bereichen in denen man tun kann was man will ohne jemals einen Erfolg zu sehen. Diese Berufe sind vor allem deshalb so auslaugend, weil man emotional ziemlich viel für andere Leute da sein muss bzw. selbst sehr nervenstark sein muss um das ganze drum-herum (Angehörige, schwierige Patienten, wenig Personal, Stress mit Kollegen) aushalten zu können.

Warum Boarderline?

Weil wir inzwischen alle latente Alkoholiker und Zyniker sind, zwischen über- und Unterforderung hin- und herspringen und um einmal ein Lob oder Anerkennung zu bekommen es allen recht machen müssen - was bekanntermaßen unmöglich ist.

@ Rest: Guckstu PN.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dogmatiker« (21. November 2008, 15:31)


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20

Freitag, 21. November 2008, 17:29

da wird so einiges klarer und vor allem verständlicher ... ;)

mangelnde erfolgserlebnisse müssen ja zwangsläufig zu enttäuschungen führen und gerade dann, wenn man mit menschen zu tun und immer wieder feststellen muss, dass man da nix machen kann, ist das emotinal auf dauer natürlich äußerst belastend. woher nimmt man dann überhaupt noch die motivation und die kraft, das ganze leid mitanzusehen?

schwierig könnte da auch eine abgrenzung werden, auf der einen seite, ist mitgefühl sehr wichtig, damit die emotionale seite im menschen nicht "verkümmert" anderseits ist zuviel mitgefühl selbstschädigend und irgendwann nicht mehr zu verdauen. aber alles nur noch rational zu betrachten ist ja auch ein ungleichgewicht, dass wahrscheinlich auch keine adäquate lösung darstellt ... puh :respekt: und vor allem viel erfolg, dass du es, wenn du mal fertig bist, bewusst in deinen alltag integrieren kannst ohne daran zu zerbrechen oder darauf in der oben beschriebenen weise zu reagieren!

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