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Dogmatiker

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21

Freitag, 21. November 2008, 17:57

Im Moment sehe ich mich Persönlich primär nicht in der Strahlentherapie...aber wenn sich die Chance bietet (die Jobs sind relativ selten), werde ich sie ergreifen.

Zitat

woher nimmt man dann überhaupt noch die motivation und die kraft, das ganze leid mitanzusehen?


Interessanterweise ist das mitansehen nicht DER große Punkt. Die Strahlentherapiepatienten die ich erlebt habe waren im wirklich überwiegendsten Fall aussergewöhnlich gut drauf. Klar gibt es Ausnahmen und wenn einer schlecht drauf ist, dann so richtig volle Kanne. So wie ich das erlebt habe ist in einer solchen Abteilung immer ausreichend Personal da, dass nicht jeder jederzeit Vollgas geben muss den ganzen Tag (das würde man auch körperlich nicht durchstehen) sondern sich immer wieder zurückziehen kann, Pause machen, abschalten, was anderes tun...und dadurch dass so viele Leute da sind herrscht auch meistens gute Stimmung weil man sich gegenseitig unterhält, tratscht etc. und damit auch die Patienten mitzieht. Wir wachsen den Leuten ans Herz und umgekehrt - so viele mitgebrachte Nascherein wie in dem einen Monat hab ich noch nie bekommen.
Ich denke wenn dem nicht so wäre - wenn man z.B. 10 h "funktionieren" muss wie ein Maschinengewehr (in der Strahlentherapie werden Patienten üblicherweise im 10 min Takt behandelt - das 11 h durchgehend) und dazu noch die psychische Belastung durch die Patienten, die auf das stressige Klima natürlich auch negativ reagieren würden, dann wär so ne Abteilung eine Burn-out-Fabrik.

Die wirklich gefährdeten Leute glaube ich sind die, die ständig dabei sind irgendetwas zu verbessern oder optimieren und sich zusätzlich zu ihrem eigenen Job noch ein halbes Dutzend andere Projekte auflasten.

Im Zuge des Praktikums war ich auch bei mehreren Morgenbesprechungen dabei - wenn man die ganze Geschichte der neuen Patienten hört, geht man die Sache auch ganz anders an...ist teilweise wirklich hoch depremierend, so gesehen ist das "wissen" auch eher das Problem, kennt man die Geschichte allerdings nicht, kann man sich natürlich viel besser abgrenzen.
In den meisten Instituten gibt es auch Selbsthilfegruppen wo Patienten und auch Personal jederzeit hingehen können und in wirklich jeder Strahlentherapie gibt es Psychoonkologische Betreuung.

Aber RTs die in einer Strahlentherapie arbeiten müssen definitiv sehr ausgeglichene und belastbare Menschen sein - einfach ein eigener Schlag. So wie ich das erlebt habe sind auch die Ärzte die in so einer Einrichtung arbeiten ein spezieller Schlag. An so einem Ort dürfen eben nur Leute arbeiten die ihren Beruf aus Überzeugung, aber nicht mit oder aus Leidenschaft ausüben.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Dogmatiker« (21. November 2008, 18:12)


22

Freitag, 21. November 2008, 18:23

Zitat

Original von ...
schwierig könnte da auch eine abgrenzung werden, auf der einen seite, ist mitgefühl sehr wichtig, damit die emotionale seite im menschen nicht "verkümmert" anderseits ist zuviel mitgefühl selbstschädigend und irgendwann nicht mehr zu verdauen. aber alles nur noch rational zu betrachten ist ja auch ein ungleichgewicht, dass wahrscheinlich auch keine adäquate lösung darstellt ... puh


Das ist wirklich eine schwierige Sache. Ich könnte so einen Job auch nicht machen, weil ich viel zu viel Mitgefühl zeigen würde und vermutlich selber immer am Heulen wäre, wenn ich sehen würde, wie schlecht es den anderen geht.

Wenn man aber alles nur rational sieht und keinerlei Regung, dann ist es auch nicht das Wahre. Erschütternd war die Reaktion des Arztes damals, als das Neugeborene meines Bruder und seiner Frau gestorben war. Er meinte, ohne mit der Wimper zu zucken: Sollen wir es wegschmeißen, oder wollen Sie es beerdigen? Unsere Entsorgung würde halt nichts kosten ... DAS fand ich dann doch wieder für eine zu rationale Ansicht ... und unmöglich! Aber das ist wohl ein anderes Thema und schweift vom eigentlichen zu sehr ab ...

Grüße
Manuela

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