19 Jahre Tschernobyl (leider etwas verspätet)

  • Leider etwas verspätet, aber jetz stell ichs hier rein: Vorgestern, am 26. April, jährte sich das Reaktorunglück in Tschernobyl/Ukraine sich zum 19. mal.


    Ein Zeichen Gottes: An dem Tag hatte ich Diplomprüfung in Strahlenbiologie.


    Hier ein kleiner Bericht:


    Quelle: Wikipedia.de
    Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl


    Die Katastrophe
    Als Ursache allgemein anerkannt ist eine bauartbedingte Eigenheit des Reaktors (ein so genannter RBMK-Reaktor). Ausgelöst wurde die Katastrophe durch schwere Betriebsfehler der Betreiber der Anlage, welche genau die Prozeduren missachteten und die Sicherheitssysteme abschalteten, die den sicheren Betrieb gewährleisten sollten. (Es bleibt anzumerken, dass zuvor größere Unfälle in den AKW in Harrisburg (Pennsylvania), USA und Windscale (heute Sellafield), England geschahen, auch wenn deren Konstruktion mit der der RMBK-Reaktoren nicht vergleichbar ist.)


    Einige offizielle Quellen verweisen auf ein Erdbeben, das zur Zeit des Unglückes in der Region stattgefunden habe und so zur Unglückskette beitrug. Ob die Seismographen nun ein Erdbeben oder die Explosion des Reaktors aufzeichneten, wird wohl nicht abschließend geklärt werden können. Sollte wirklich ein Erdbeben mitverantwortlich für dieses Unglück sein, stellt sich eine Sicherheitsfrage für alle Kernreaktoren an tektonischen Verwerfungen wie beispielsweise dem Rheingraben oder besonders die dominoartig angelegten Kraftwerke in Japan.



    Tschornobyl in der Oblast KiewTatsache ist jedoch, dass am Reaktor ein Experiment durchgeführt wurde, dessen fehlerhafte Ausführung die Katastrophe einleitete.


    Da Kernreaktoren nicht nur Strom erzeugen, sondern auch verbrauchen (beispielsweise für den Betrieb der Kühlpumpen, Mess- und Anzeigetechnik usw.), und diesen aus dem Netz entnehmen, muss sichergestellt sein, dass bei einem totalen Stromausfall genügend elektrische Leistung zur Verfügung steht, um den Reaktor sicher abzuschalten. In dem anstehenden Test sollte geprüft werden, ob die Leistung der bei der Abschaltung langsam auslaufenden Turbine die Zeit bis zum Anlaufen von Dieselgeneratoren (etwa 40-60 Sekunden) überbrücken kann. Ein früherer Versuch im Block 3 des Kraftwerks war zuvor gescheitert, weil die Spannung zu schnell absank. Nun sollte der Versuch mit einem verbesserten Spannungsregler wiederholt werden. Diesen erneuten Versuch führte man bei einer Routineabschaltung des Reaktors durch.


    Als erster Schritt sollte dabei die Leistung des Reaktors von ihrem Nennwert bei 3.200 Megawatt (thermisch) auf 1.000 MW reduziert werden, wie bei einer Regelabschaltung üblich. Durch einen Bedienfehler oder technisches Versagen wurde sie jedoch nicht bei diesem Wert stabilisiert, sondern sank weiter bis auf nur etwa 30 MW. Da die Neutronenflussrate in diesem Bereich extrem niedrig ist, sammelte sich Xenon-135 im Reaktorkern. Dieses Isotop, das durch den Zerfall von Iod-135 entsteht, ist ein sehr guter Neutronen-Absorber. Im normalen Betrieb wird es durch Neutronenaufnahme zu Xenon-136 verbrannt, bei diesem niedrigen Leistungsniveau jedoch stieg der Xenon-135-Gehalt immer weiter an und vergiftete den Reaktor.


    Dies offenbar nicht bemerkend versuchte der Operator die gefallene Leistung durch Entfernen weiterer Regelstäbe wieder zu steigern. Durch die starke Neutronenabsorbtion gelang ihm die vermeintliche Stabilisierung jedoch nur auf einem viel zu niedrigen Niveau von etwa 200 MW oder 7% der Nennleistung. Laut Vorschrift durfte der Reaktor nicht unterhalb von 20% der Nennleistung betrieben werden.


    Obwohl sich so zu diesem Zeitpunkt viel weniger Regelstäbe im Kern befanden, als für einen sicheren Betrieb notwendig waren, wurde der Reaktor nicht abgeschaltet sondern das Signal zum Beginn des Testlaufs gegeben.


    Da für den Test die vier Hauptkühlmittelpumpen die Verbraucher darstellten, wurden diese nun auf volle Leistung geschaltet. Der Reaktor wurde unterkühlt, bis stark unterkühltes Kühlmittel durch den Reaktor floß. Weitere Regelstäbe mussten entfernt werden, um die Leistung zu stabilisieren. Dies wäre der letzte Zeitpunkt gewesen, an dem man den Reaktor noch durch eine Notabschaltung hätte retten können. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem äußerst instabilen Zustand, in dem jede kleinste Veränderung eines Parameters unvorhersehbare Folgen haben konnte. Allein um ihn in diesem Zustand zu betreiben, mussten zuvor alle automatischen Sicherheitssysteme überbrückt werden und der Operator mehrere Warnanzeigen ignorieren.


    Als nächster Schritt wurde dann das Hauptgasventil der Turbine geschlossen und somit dem Generator, dessen Auslaufenergie man messen wollte, die Kraftzufuhr genommen. Dadurch veränderte sich der Druck im Kühlmittelkreislauf kurzzeitig, Kühlmittel verdampfte.


    Im Gegensatz zu westlichen Leichtwasserreaktoren, in denen das Kühlmittel gleichzeitig Moderator ist, haben Reaktoren des RBMK-Typs im unteren Leistungsbereich einen positiven sog. Dampfblasen- oder Voidkoeffizienten. Das bedeutet, dass mit zunehmendem Verdampfen des Kühlmittels die Reaktivität des Reaktors steigt.


    Ein fataler Teufelskreis begann: Das plötzliche Verdampfen des Kühlmittels lies die Reaktivität in kürzester Zeit in die Höhe schnellen. Das im Kern angesammelte Xenon-135, das bis dahin als zusätzlicher Neutronenabsorber gedient hatte, zerfiel, der Reaktor heizte sich auf und mehr Kühlmittel verdampfte. Die Leistung stieg weiter und weiter an. Schließlich befahl der Schichtleiter die Notabschaltung des Reaktors.


    Dazu wurden alle zuvor aus dem Kern entfernten Steuerstäbe wieder in den Reaktor eingefahren, doch hier zeigte sich ein weiterer Konstruktionsfehler des Reaktortyps: durch die an den Spitzen der Stäbe angebrachten Graphitblöcke (Graphit war der Hauptmoderator des Reaktors) wurde bei Einfahren eines vollständig herausgezogenen Stabes die Reaktivität kurzzeitig erhöht, bis der Stab tiefer in den Kern eingedrungen war. Die durch das gleichzeitige Einführen aller Stäbe (über 250) massiv gesteigerte Neutronenausbeute ließ die Leistung in Millisekunden explodieren. Die Hitze verformte die Kanäle der Regelstäbe, so dass sie nie weit genug in den Reaktorkern eindringen konnten, um ihre angedachte Wirkung zu entfalten.


    Die Hitze ließ die Brennelemente reißen und mit dem umgebenden Wasser reagieren. Wasserstoff und Sauerstoff entstanden in großen Mengen. Schließlich riß der Druck des verdampfenden Kühlmittels das über 1.000 Tonnen schwere Dach der Reaktorhalle weg. Das Graphit des Reaktorkerns fing durch die einströmende Frischluft sofort Feuer und ließ das entstandene Knallgas detonieren.


    Große Mengen an Radioaktivität wurden durch die Explosionen und den anschließenden Brand des Graphit-Moderators in die Umwelt freigesetzt. Insbesondere die leicht flüchtigen Iod-131 und Cäsium-137 bildeten gefährliche Aerosole, die in einer radioaktiven Wolke teilweise hunderte oder gar tausende Kilometer weit getragen wurden, bevor sie der Regen aus der Atmosphäre auswusch. Radioaktive Metalle mit höherem Siedepunkt wurden hingegen vor allem in Form von Staubparktikeln freigesetzt, die sich in der Nähe des Reaktors niederschlugen.







    Quelle und sehr gute Info Site: http://www.tschernobyl-folgen.de



    Bereits 50.000 "Liquidatoren" gestorben
    Rund 800 000 Menschen mussten sich nach Schätzung der Welt-gesundheitsorganisation (WHO) als sogenannte „Liquidatoren“ an den Aufräumarbeiten nach der Katastrophe in Tschernobyl beteiligen. Bis Ende 1999 sind schätzungsweise bereits mehr als 50 000 Liquidatoren an Strahlenschäden bzw. Suizid gestorben.


    Radiojod
    Schilddrüsenkrebs um mehr als das 30-fache erhöht
    Von den zahlreichen in der Allgemeinbevölkerung auftretenden Erkrankungen wird der durch radioaktives Jod verursachte Schilddrüsenkrebs systematisch erfasst. Bis Ende 2000 sind in Belarus (Weißrussland) etwa 10 000 Menschen an diesem Krebs erkrankt. Auf der Basis von Prognosen der WHO ist zu erwarten, dass allein in der besonders verseuchten weißrussischen Region Gomel künftig mehr als 100 000 Menschen an Schilddrüsenkrebs erkranken werden.
    In Belarus (Weißrussland) war bereits Ende 1990 die Inzidenz für Schilddrüsenkrebs bei Kindern gegenüber dem 10-Jahres-Mittelwert vor 1986 um das mehr als 30-fache erhöht. Die Behauptung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) "... keine mit Strahlung zusammenhängende Gesundheitsstörungen" war zu diesem Zeitpunkt weder aus medizinischer noch aus wissenschaftlicher Sicht nachvollziehbar, denn sie stand im Widerspruch zu den bereits bekannten und dokumentierten Schilddrüsenkrebsfällen in Belarus.


    Tumore
    Dramtische Zunahme von Krebserkrankungen
    Neben dem Schilddrüsenkrebs registrieren die Ärzte in Gomel bei Männern eine drastische Zunahme von Lungen-, Magen-, Haut- und Prostatakrebs. Bei Frauen hat sich die Zahl der Brustkrebserkrankungen innerhalb von 10 Jahren verdoppelt.


    In der Folge der Tschernobyl-Katastrophe ist in der Bevölkerung der Anstieg der Schilddrüsenkrebsfälle am stärksten, aber auch bei anderen Tumorarten und bei vielen nicht bösartigen Erkrankungen ist ein massiver Anstieg zu verzeichnen. Im Gebiet Gomel ist der Jugenddiabetes im Vergleich zur Zeit vor der Katastrophe um das Dreifache angestiegen. In der wissenschaftlichen Literatur wird die Vermutung diskutiert, dass dies eine Folge der Belastung der Bauchspeicheldrüse durch Radiojod ist.


    Sonstige Erkrankungen
    Pathologien im Bereich der Fortpflanzung und Jugenddiabetes
    Bereits kurze Zeit nach der Reaktorkatastrophe wurde in der Ukraine eine starke Zunahme von Pathologien auffällig, die mit der Fortpflanzung des Menschen zusammenhängen. Sie betreffen vor allem die Schwangerschaft und die Leibesfrucht. In einem Statusbericht des Ukrainischen Gesundheitsministeriums über die Entwicklung des Gesundheitswesens 1986-1988 wurde auf den deutlichen Geburtenrückgang, die erhöhte Rate an Schwangerschaftsunterbrechungen und auf die erhöhte Anzahl verschiedener Gesundheitsstörungen der Leibesfrucht und bei Schwangerschaften hingewiesen. Die mit der Fortpflanzung des Menschen zusammenhängenden Erkrankungen haben sich im Zeitraum 1986-1990 deutlich erhöht. In der Tabelle 1 ist die Zunahme gegenüber dem Vergleichszeitraum 1982-1985 dargestellt.


    Absterben der Leibesfrucht: 1,5-fach erhöht
    Fehlgeburten: 1,7-fach erhöht
    Frühgeburten: 3-fach erhöht
    Totgeburten: 1,5-fach erhöht
    Fehlbildungen und Entwicklungsanomalien: 3-fach erhöht
    Fortpflanzungsstörungen bei Männern: 3-fach erhöht
    Genetische Störungen und Chromosomenaberrationen: 15-fach erhöht


    Trisomie 21
    Totgeburten, Mißbildungen und Krebs in Deutschland
    Auch im Westen gibt es nachweislich gesundheitliche Effekte nach Tschernobyl. Zahlreiche Untersuchungen wurden durchgeführt, um den möglichen Einfluss auf Geburtsanomalien und auf die Perinatalsterblichkeit zu erforschen. Allein in Deutschland starben vermutlich mehrere hundert Kinder vor, während oder nach der Geburt aufgrund der Strahlenbelastung durch Tschernobyl.


    Trisomie 21
    Die Trisomie 21 ist die häufigste numerische Chromosomenanomalie und zugleich die häufigste Ursache einer angeborenen geistigen Behinderung. Bei einem von 800 Neugeborenen ist ein zusätzliches Chromosom 21 vorhanden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Zeitpunkt der Entstehung dieses Fehlers genau angegeben werden kann. Die meisten Fälle ereignen sich bei den Reifeteilungen der Eizelle, d. h. unmittelbar zum Zeitpunkt der Konzeption.
    In dem 10-Jahres-Zeitraum von Januar 1980 bis Dezember 1989 lag in Westberlin die monatliche Zahl von Trisomie-21-Fällen bei durchschnittlich 2-3. Aber im Januar 1987, neun Monate nach der Tschernobyl-Katastrophe, wurden 12 Fälle beobachtet. Dieser Anstieg war nach einer Zeitreihenanalyse hoch signifikant und konnte nicht mit dem Alter der Schwangeren oder der Inanspruchnahme der vorgeburtlichen Diagnostik erklärt werden.

  • Wenn ich das lese bin ich Deutschland trotz aller damit verbundenen Probleme sehr dankbar, daß man versucht, der Kernenergie ein Ende zu machen.

    "Hope is not the conviction that something will turn out well, but the certainty that something makes sense regardless of how it turns out." :drueck:
    ~ Vaclav Havel

  • Tja, ausführliche Beschreibung eines menschlichen Versagens aufgrund mangelnden Wissens oder überheblicher Ignoranz.
    In Deutschland wäre es nie zu einem solchen Unfall gekommen. Der Standard in Deutschland ist auf dem Sektor Sicherheit von Kernenrgie der höchste weltweit. In den richtigen Händen ist die Kernenergie die sauberste und beste Möglichkeit aus nicht-regenerativen Energien "Strom zu erzeugen".


    Was viele Leute nicht bedenken beim Abschalten der deutschen AKWs ist, dass es unweit der Grenzen zu Frankreich und dem Ostblock außreichend AKWs gibt, die bei weitem nicht so sicher sind wie die Deutschen. Und durch das Europäische Verbundnetz beziehen genug grenznahe Haushalte ihren Strom eben genau aus diesen AKWs.
    Viel Spass beim Strahlen! :D

    We could just go home right now, or maybe we could stick around, for just one more drink....

  • Ja, das sind die Probleme, die ich meinte. Klar, so richtig ausgestiegen sind wir nicht und so wie die Dinge im Moment sind, ist das sicher nicht ideal. Aber ich denke schon, daß Deutschland damit ein Zeichen setzt. Irgendwer muß ja anfangen. Wenn verhältnismäßig reiche Länder wie Deutschland aus der Kernenergie aussteigen, dann heißt das, daß einiges Geld in die Erforschung alternativer Energien gesteckt wird und das ist auf jeden Fall ein Anfang. :)


    Was ich in Deutschland aber auch als problematisch ansehe, ist daß diese Welle des An-die-Umwelt-Denkens aus den 90ern so ein bißchen abgeebbt ist. Als angehender PR-Mensch muß ich sagen, diese Dinge werden den Deutschen einfach nicht mehr gut verkauft. Wenn ich "Dosenpfand" sage heutzutage, ist das ein extrem negativ besetzter Befriff und alle denken zuerst an all den Streß, den sie damit haben und nicht daran, was sie vielleicht der Umwelt Gutes tun. Das ist schlecht verkauft worden und war zu mies organisiert als daß die Leute jetzt wirklich dahinter stehen würden. Und mit der alternativen Energie ist es ähnlich. Die hat zwar nicht direkt nen schlechten Ruf, aber so richtig klar ist es vielen glaub ich nicht, was sie da eigentlich unterstützen wenn sie sich um Kosten zu sparen bei Yello und Konsorten anmelden. :(

    "Hope is not the conviction that something will turn out well, but the certainty that something makes sense regardless of how it turns out." :drueck:
    ~ Vaclav Havel

  • :hoch: Sehr gut recherchierter Artikel mit gutem Hintergrundwissen. Man sieht eben immer wieder dass der Mensch teilweise die von ihm erbaute Technik nur unzureichend bis magelhaft bedient wird. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses AKW "veraltet" oder ähnlich gewesen ist. Den Ausführungen zufolge waren Sicherheitseinstellungen manuipuliert oder definitiv von den Verantwortlichen missachtet worden.


    Deshalb bin ich auch weiterhin für den Betrieb dieser Anlagen, einfach weil, die anderen Energiequellen die vorhanden wären, aus heutiger Sicht unzureichend genutzt werden und den entsprechenden Energiebedarf nicht liefern könnten.


    Das was Creampuff hier anführt zwecks umdenken bei "Dosenpfand" und "alternativen Energiequellen"


    Zitat

    Das ist schlecht verkauft worden und war zu mies organisiert als daß die Leute jetzt wirklich dahinter stehen würden.


    ist mehr oder minder auch ein Eigentor. Wenn AKW's von Anfang an als sicher dargestellt wären, woran eigentlich keine Zweifel bestehen, dann gäbe es auch solche Debatten nicht. Unglücke durch menschliches Versagen können wir tagtäglich beobachten auf unseren Strassen, zu Wasser und in der Luft. Und dort kann man eben keine Sicherheitsvorkehrungen treffen die, wenn ausser Kontrolle geraten, durch gezieltes Eingegreifen der Technik es möglich macht sie wieder zu stabilisieren. Natürlich vorausgesetzt man umgeht sie nich ....


    PS. Es tut mir auch leid um die Opfer und Menschen die daraus Folgeschäden erlitten haben.


    Zitat

    Original von Dogmatiker
    Ein Zeichen Gottes: An dem Tag hatte ich Diplomprüfung in Strahlenbiologie.


    ......... deswegen dein verstrahltes Ava ;)

  • Also ich bin ganz klar auch für AKW's, da es eine sehr effiziente Form von Energieerzeugung ist. Unfälle können immer passieren, leider. Es stürzen jede Menge Flugzeuge ab, und hat jemand gesagt: böses Flugzeug, wir schaffen die ab? Nein, also bitte... :O


    Klar, es ist schrecklich was damals passiert ist, aber Unfälle kann es immer wieder geben. In Frankreich und den USA gibt es viele AKW's, aber fast keine Unfälle, höchstens kleine Störfälle und das zeugt von westlicher Sicherheit, die es ganz klar im ehemaligen Ostblock nicht gibt.


    Und wie Sun schon sagte: Schön das Deutschland die AKW's schließen will und Österreich keines hat, in den Staaten um uns, besonders im Osten, stehen genug. Ich sag nur Temelin, das einen Störfall nach dem anderen hatte und nicht nur einen alle 5 Jahre wie anders wo. :rolleyes:


    Es ist schön, das wir vor allem in Österreich auf Windenergie umsteigen, begrüße ich vollkommen, mich persönlich stören die Windräder absolut nicht, im Gegenteil. Aber es gibt so viele Menschen, die sich deswegen auch wieder aufregen, und gegen AKW's sind und natürlich auch gegen Stau-Kraftwerke an Flüssen. Aber ganz ehrlich, woher sollen wir die Energie dann gewinnen? Irgendwie müssen wir sie ja erzeugen, oder sollen wir alles einkaufen? :aehm:

    :sonne: Wann wirds mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war. :sonne:
    Jaaa, mit Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so kalt und so sibirisch wie im letzten Jahr.
    Rudi Carrell

  • tja da ich damals noch nicht mal drei jahre alt war, kann ich nicht wirklich sagen wie schlimm die akutphase für die menschen war. was glaubst du, du hörst im radio das eine atomreakterwolke auf dich zu kommt, du aber trotzdem arbeiten gehen musst und dich nicht irgendwo verstecken kannst. oder danach wenn du weißt das fast alle lebensmittel belastet sind du aber trotzdem deinen hungrigen kindern was vorsetzten musst. die menschliche seite an diesen unglücken ist immer sehr schlimm.
    dass heißt nicht das ich prinzipiell gegen atomenergie bin, aber ich bin froh das wir unseren reaktor nie eingeschaltet haben.
    nur noch eins temelin sollte ausgeschaltet werden.

    Es gibt Dinge, die wachsen nicht auf Bäumen,
    die lernen wir nicht in Schulen und die gibt es nirgendwo zu kaufen.
    Es ist dìe Kunst, die Welt mit dem Herzen zu sehen.

    Einmal editiert, zuletzt von anderyy ()

  • Das ganze ist leider ein verdammt zweischneidiges Schwert, weil eben Politisch sehr behaftet.


    Zum Technischen: Der Kernreaktor in Tschernobyl flog während eines Belastungstests im UNTERSTEN BEREICH (dort sind Kernreaktoren wesentlich schwerer zu Kontrollieren als über der Belastungsgrenze) die Luft, weil die Regelstäbe aus einem ungeeigneten Material (Kohlenstoff?) waren, die nach einführen in die Reaktorkammer die Reaktion mehr anheizten, worauf das Kühlwasser binnen Millisekunden so heiss wurde dass es verdampfte und die 1.000 Tonnen schwere Stahlbetonkonstruktion des Reaktorblocks ~200 m hoch in die Luft schleuderte.
    Ein nicht zu verachtendes Detail an der Sache ist, dass der Verantwortliche dort bereits einmal ein Reaktorunglück auf einem russischen U-Boot verursacht hat und beide male überlebt hat. Er hat während seines ganzen Lebens die ~700 fache Strahlendosis abbekommen die normalerweise für Menschen tödlich ist... :rolleyes:


    Kernenergie vs. Öko-Strom: So weit ich mich an die Schule zurückerinnern kann ist ein völliger Ausstieg aus der Kernenergie nicht mehr möglich, da allein Österreich ~ 20 % seines Energiebedarfs mit importiertem Atomstrom aus Frankreich, England etc. abdeckt...und diese 20 % sind nichtmal hereinbringbar wenn wir das ganze Waldviertel mit Solarzellen und Windrädern zupflastern und jedem kleinen Bach ein Laufkraftwerk verpassen...so ists nunmal leider.


    Zu überlegen währen Gezeitenkraftwerken an den Europäischen Küsten, wobei die Atlantikküsten Englands und Frankreichs für sowas zu steil sind - und das ganze ließe sich wohl auch nicht finanziell durchbringen.
    Einzig derzeitige Alternative zur Lösung dieses Problems währe die forcierung der Kalorischen Kraftwerke :rolleyes:



    PolitischesDie Aufregung um das tschechische AKW Temelin wurde bewusst hochgeputscht um den Versuch eines Vetos Österreichs gegen den Tschechischen EU-Beitritt zu starten, bzw. um den in der Grenzregion ansässigen ÖVP-Politikern Rückenwind zu geben. Perverser Weise hat die EU - jetzt nach dem Beitritt der Tschechischen Republik - Politischen Einfluss auf das Kraftwerk.
    Dass sie sich mit der Schrottmühle - die noch vom selben Typ ist wie der Tscchernobyl-Reaktor - haben die Tschechen längst gemerkt da sie anscheinend kalte Füße gekriegt haben weil das Kraftwerk seit längerer Zeit zum verkauf steht. Anscheinend war die Durchsetzung von Temelin sowas wie der letzte Politische Kraftakt einen gewissen Wazlav Havel.


    Technisches Grundsätzlich sind wohl alle unsere Grenznahen Kernreaktoren (Bohunice und Mochovce in der Slowakei, Krsko in Slowenien - steht übrigens idealerweise auf einer Erdbebenlinie, Dukovany und Temelin in Tschechien und Paks in Ungarn) als bedenklich zu bezeichnen, da die alle nicht wesentlich moderner als Tschernobyl, welches 1986 ein sowjetisches high-end Produkt war und auf dem Fleck wo sie jetzt stehen ein paar Tausend Jahre lang brennen werden. So gesehen wäre mir ein 30 jahre altes Zwentendorf heute lieber als ein drei Jahre alter Tschechischer Reaktor der sich auf der selben Technologiestufe befindet...in die Richtung werden wohl noch einige EU-Subventionen fließen.

  • *push*


    Heute vor 25 Jahren kam es im ukrainischen Tschernobyl zum ersten Super-GAU der Welt.
    Während die Welt - und vor allem Japan - gegen die Auswirkungen des (Super-)GAUs in Fukushima kämpft, wurde Vielerorts der damaligen Katastrophe gedacht, deren Auswirkungen noch heute vor allem in den betroffenen Gebieten deutlich spürbar sind - und noch heute kochen im inneren der Ruine mehrere Tonnen geschmolzenen radioaktiven Materials vor sich hin und fressen sich durch den Stahlbeton immer weiter Richtung Grundwasser.
    Noch immer gibt es keine seriöse Opferzahl, die Schätzungen schwanken von 'nur' 6.000 Toten bis über 100.000.
    Wenn man bedenkt das allein 100.000 Menschen - sowohl Zivilisten als auch Soldaten - als sogenannte 'Liquidatoren' dazu eingesetzt wurden den radioaktiven Schutt vom havarierten Reaktor zu entfernen da aufgrund der hohen Strahlenbelastung sogar Roboter versagten - und durch den Fallout allein 2/3 des Staatsgebietes von Weißrussland kontaminiert wurden - wird wohl eher die zweite Zahl stimmen.
    Während durch das Reaktorunglück in Japan zumindest in Europa ein Umdenken bezüglich der Kernenergie einsetzt halten die Ukraine und Russland weiterhin fest an der Kernenergie die als 'Basis der Wirtschaft' bezeichnet wird.
    Und während am Unglücksreaktor der runderhum errichtete Sarkophag vor sich hin bröckelt soll nächstes Jahr die heutige Geisterstadt Prypjat - damals innerhalb von Stunden evakuiert - nächstes Jahr für Touristen geöffnet werden - unter anderem um den ins Stocken geratenen Neubau des Sarkophags zu finanzieren..


    Also in Wirklichkeit kann keine Rede davon sein dass es ein Tschernobyl ein Unglück gab - es dauert weiterhin an....:rolleyes: